Probieren wir es mal?

Gegenwärtig scheinen die Menschen meines Heimatlandes sehr irritiert über das politische Geschehen zu sein. Abwanderungen aus der Mitte der Gesellschaft in Randzonen führen keineswegs zu einer Erstarkung positiver Kräfte dort. Und doch ist die gesellschaftliche Mitte im Begriff sich selbst zu unterhöhlen. Der kulturelle Raubbau an sich selbst nimmt der Basis ihr Rückgrat und lässt diese nicht gerade gestärkt erscheinen.

Die Politik des Konsens wirkt. Doch alleine nur noch selten werden da die Entscheider befragt, was denn nun ein solcher sei. Stattdessen dominieren scheinbare Provinzler mit Verlautbarungen und Reden das mediale Aufkommen an Nachrichten. Der Clash tritt als Schlagabtausch offen zu tage und wird über Medien gesteuert.

Manch ein Mundschenk kommentiert dieses Gebaren treffend. Probieren wir es mal? – ‚Wenn es nicht gut sein würde, können wir es hernach immer noch abändern.‘

Das aber wird nicht getreu einer politischen Linie sein, welche Standfestigkeit verkörpern möchte. Das bloße Ausprobieren ist eine Sache der guten Kinderstube, hat aber seinen Platz gerade nicht in der nationalen oder internationalen Politik. Davon wird auszugehen sein, hat man es da doch bereits in der Regel mit verantwortungsbewussten, erwachsenen Menschen zu tun.

Der Verlust an Standards ist zu verzeichnen. Da werden kaum die wesentlichen demokratischen Prinzipien beachtet. Freiheit ist ohne Brüderlichkeit und Einigkeit als Farce zu erkennen. Wie soll diese auch sich in gutartiger Weise auswirken können, ohne dass das Spektrum demokratischer Grundsätze als Gesamtes gelebt wird?

Es genügt keineswegs aus, die Demokratie auszuprobieren. Wir sind allesamt keine gefestigten Demokraten. Uns als solche zu bezeichnen wäre fatal. 30, 60 oder 120 Jahre einer demokratischen Grundordnung machen noch keinen überzeugenden Bürger aus einem Menschen. Wenn die Brüderlichkeit auf ihre Grenzen stößt, dann ist es auch keine. Wenn die Freiheit alleine nur die eigene verkörpert, dann vernachlässigt sie das Prinzip derselben, als welche sie einmal erdacht worden ist. Von der Einigkeit würde auch nicht mehr zu vernehmen sein.

Die Politik ist in Detailfragen zerschlagen, hat keinen Bedarf an Übersichtlichkeit. Kein Wunder ist es darum, dass der brave, zum Gelderwerb arbeitende Bürger kein Verständnis für diese Sache hat. Was soll das auch? – Es ist diesem wahrscheinlich unverständlich, welchen Weg unsere Gesellschaft gerade begeht. Das würde nicht alleine nur eine Verdrossenheit des Bürgers an den regierenden Instanzen sein, es ist auch deren Verdrossenheit an der Bürgerschaft, was unsere soziale Struktur so stark prägt.

‚Probieren wir es doch einfach aus?‘ – Immer wieder taucht dieser Satz beim Bedenken der Geschehnisse auf. Unvollständige, schlecht strukturierte Vorgaben und auch dazu gleichwertige Umsetzungen derselben bestimmen den Alltag. Das Rad könnten wir ja schließlich nicht neu erfinden. Also muss das Althergebrachte wiederholt werden. Da graut es mir davor.

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Beliebigkeit als Machtmittel

Neuere Nachrichten der letzten Tage scheinen Unglaubwürdiges zu Tage zu fördern. Da wird mit ganz heißem Feuer gespielt. Und jene, welche das tun, zündeln damit an der Existenzgrundlage anderer Menschen herum. Was wird sein, wenn diese verloren geht?

Offensichtlich ist es so, dass die eigene Existenz dieser Herren und Damen nicht von solchen Nöten betroffen ist, wie andere das durchweg aus ihrem Dasein kennen. Ein Irrweg entsteht.

Platte Reifen und brennende Häuser sehe ich da herbeikommen, und das ist mir nicht einfach so geschehen, sondern bedingt durch die Erkenntnis, dass es im Gefängnis wenigstens etwas zu Essen gibt. Oder Krankenhäuser, welche ambulant Essen ausgeben, um die eigenen Ressourcen zu limitieren. Wer will schon, ja wer kann schon ohne etwas zu Essen auskommen?

Ein Zustand regelmäßiger Fehlernährung führt notgedrungen zum Krieg einer anderen Art. Kriege ich bitte ein Brot? Kriege ich bitte einen Apfel? – Oder gleich mit Ausrufezeichen versehen. Ich bekomme das Brot! Ich nehme mir jetzt mal den Apfel!

Was manch einer vielleicht als verquere Reaktion von mir abtun wird, ist eigentlich eine empathische Reaktion von mir auf heutige Nachrichten, gelesen auf einer öffentlichen Plattform im Internet. Das lesen viele. Ob es diese auch wirklich interessiert, das könnte ich nicht sagen. Wahrscheinlich ist der Sportteil wichtiger. Doch was hat man von einem Sportteil noch, wenn einem der Stuhl unter dem Hintern brennt?

Ach, übrigens ist der Sport wegen seiner Fairness als Vorbildfunktion für junge Menschen leidlich ungeeignet. Da wird gedopt, um sich Vorteile zu verschaffen. Es wird das Material frisiert. Zudem führen Beleidigungen mitunter indirekt zu Siegen. Beispiele dafür hat es schon einige gegeben. Mir ist jeweils eines bekannt, aber ich habe ja auch nicht den Sportteil gelesen. Ich repetiere das aus der Erinnerung an frühere Fernsehabende und anderen Quellen.

Fairness und Leistung sollen beim Sport Hand in Hand gehen. Kompetitive Wettbewerbe ohne Fair Play sind jedoch eine Farce.

Die politische Landschaft von heute hat dem nichts entgegenzusetzen. Doch sie nimmt zusehends das Fair Play heraus. Der Leistungsdruck wird erhöht. Da setzt es schnell mal eine Ohrfeige für den, welcher nicht gekonnt hat, was er gesollt hat.

Die Kultur der Ohrfeigen ist im Kommen, scheint es mir. In Deutschland verrohen die Sitten auf allerhöchster Ebene. Bis in die staatstragenden Organe hinein dringen jene vor, welche festzulegen bereit sind, wer existieren darf und wer nicht. Da wird doch wer ausgegrenzt, denke ich schlüssig weiter. Eine Existenz ist die Grundlage jeder bürgerlichen Mitverantwortung.

Doch die Hirngespinste der Erzeuger eines solchen Leistungsdrucks reichen weit und gehen tief. Dabei möchte ich gerne wissen, welches Zugpferd da drückt und welche Mittel das sind, welche es dafür einsetzen kann.

Ist es nicht eher die Spirale der Bereicherung gewesen, welche zusätzlich zur Selbstermächtigung einiger solcher Gesellen, Genossen, Proleten oder was auch immer denen als Aspiranten der neuen Stärke in diesem Land zur Motivation dient? Ja, wer hat etwas, und warum sollte das diesem nicht dafür ausreichen können, um sich aus dieser Gewaltspirale nicht doch heraushalten zu wollen?

Gewalt führt zu Gewalt. Erhöhen wir die Staatsgewalt, würde da auch Gegenwehr nicht unwahrscheinlich sein. Stellen wir aber die Lebensgrundlage von Menschen zur Diskussion, ja schaffen wir diese ab, dann ist sie bereits legitimiert.

Selbst im alten Rom hat noch der Grundsatz ‚Brot und Spiele‘ gegolten. Da die Spiele für viele bereits ausgefallen sind, weil eine Teilhabe daran aus gewissen Gründen nicht mehr möglich gewesen ist, ist nur mehr das Brot geblieben. Nimmt man das diesen Menschen auch noch weg, dann bedarf es alleine nur noch eines weiteren Neros, um klar zu machen, welche Zustände wirklich vorherrschen.

Das Spiel mit dem Feuer kann teuer sein. Und es gibt manchmal keine Möglichkeit, es dem Feuer zu verbieten, seinen Dienst zu tun.

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