Gedanke

Eine Gesellschaft, wie die unsere setzt alles auf die Fülle. Myriaden von Sendungen auf allen Kanälen verwirren die Menschen. Da stellt sich die Frage, ob diese Variante der Desinformation gewollt ist. Zudem führt sie zur passiven Zensur, weil relevante Inhalte im Getümmel der Medienlandschaft untergehen.

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Probieren wir es mal?

Gegenwärtig scheinen die Menschen meines Heimatlandes sehr irritiert über das politische Geschehen zu sein. Abwanderungen aus der Mitte der Gesellschaft in Randzonen führen keineswegs zu einer Erstarkung positiver Kräfte dort. Und doch ist die gesellschaftliche Mitte im Begriff sich selbst zu unterhöhlen. Der kulturelle Raubbau an sich selbst nimmt der Basis ihr Rückgrat und lässt diese nicht gerade gestärkt erscheinen.

Die Politik des Konsens wirkt. Doch alleine nur noch selten werden da die Entscheider befragt, was denn nun ein solcher sei. Stattdessen dominieren scheinbare Provinzler mit Verlautbarungen und Reden das mediale Aufkommen an Nachrichten. Der Clash tritt als Schlagabtausch offen zu tage und wird über Medien gesteuert.

Manch ein Mundschenk kommentiert dieses Gebaren treffend. Probieren wir es mal? – ‚Wenn es nicht gut sein würde, können wir es hernach immer noch abändern.‘

Das aber wird nicht getreu einer politischen Linie sein, welche Standfestigkeit verkörpern möchte. Das bloße Ausprobieren ist eine Sache der guten Kinderstube, hat aber seinen Platz gerade nicht in der nationalen oder internationalen Politik. Davon wird auszugehen sein, hat man es da doch bereits in der Regel mit verantwortungsbewussten, erwachsenen Menschen zu tun.

Der Verlust an Standards ist zu verzeichnen. Da werden kaum die wesentlichen demokratischen Prinzipien beachtet. Freiheit ist ohne Brüderlichkeit und Einigkeit als Farce zu erkennen. Wie soll diese auch sich in gutartiger Weise auswirken können, ohne dass das Spektrum demokratischer Grundsätze als Gesamtes gelebt wird?

Es genügt keineswegs aus, die Demokratie auszuprobieren. Wir sind allesamt keine gefestigten Demokraten. Uns als solche zu bezeichnen wäre fatal. 30, 60 oder 120 Jahre einer demokratischen Grundordnung machen noch keinen überzeugenden Bürger aus einem Menschen. Wenn die Brüderlichkeit auf ihre Grenzen stößt, dann ist es auch keine. Wenn die Freiheit alleine nur die eigene verkörpert, dann vernachlässigt sie das Prinzip derselben, als welche sie einmal erdacht worden ist. Von der Einigkeit würde auch nicht mehr zu vernehmen sein.

Die Politik ist in Detailfragen zerschlagen, hat keinen Bedarf an Übersichtlichkeit. Kein Wunder ist es darum, dass der brave, zum Gelderwerb arbeitende Bürger kein Verständnis für diese Sache hat. Was soll das auch? – Es ist diesem wahrscheinlich unverständlich, welchen Weg unsere Gesellschaft gerade begeht. Das würde nicht alleine nur eine Verdrossenheit des Bürgers an den regierenden Instanzen sein, es ist auch deren Verdrossenheit an der Bürgerschaft, was unsere soziale Struktur so stark prägt.

‚Probieren wir es doch einfach aus?‘ – Immer wieder taucht dieser Satz beim Bedenken der Geschehnisse auf. Unvollständige, schlecht strukturierte Vorgaben und auch dazu gleichwertige Umsetzungen derselben bestimmen den Alltag. Das Rad könnten wir ja schließlich nicht neu erfinden. Also muss das Althergebrachte wiederholt werden. Da graut es mir davor.

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