Das Leben eines ‚Art-Trash‘-Aktivisten

Ein Istzustand darf gerne in einfacher Weise dargestellt werden, findet Schneider. Alle Erkenntnis eines Lebens würde nicht gut zu gebrauchen sein ohne eine solche Konklusion. Das Zusammenführen der Kettfäden auf der Rolle eines Rahmens durch einzelne Knoten macht den Stoff, um welchen es gehen soll, erst herstellbar. Dessen Struktur bildet dabei eine feststehende Matrix regelmäßiger Art aus. Und genau so soll auch diese Retrospektive auf das Leben des Kunstschaffenden Schneider ausgeführt werden. Nicht ohne Grund sagt der Autor dies, hat er doch sich vielfach schon beim Schreiben in unmögliche Positionen gebracht und auch regelrecht verlaufen.

Viele Jahre einer mühevollen Aufbereitung seines Werkes hat der Autor jetzt bereits abgeleistet. Doch eines ist ihm dabei in dringlicher Weise klargeworden. Möchten seine Bilder und Schriften auch eine eigene Note an sich tragen, so ist das doch allein nur ein Werkschaffen unter vielen. Hervorgetan haben möchte Schneider sich derweil nicht. Er wünscht es sich vielmehr, in einen Verbund anderer Kunstschaffender integriert zu werden. Doch eine natürliche Skepsis gegenüber Organisationen und eine eigene Art der Zurückhaltung machen es ihm schier unmöglich, noch stärker auf seine Mitmenschen einzugehen, als er das eh schon getan hat. Er hat es so befunden, dass das von ihm Geschaffene bereits dazu ausreicht, um sich ein Bild von ihm zu machen.

Sein Ziel ist es, das eigene Wirken bald zu einem guten Abschluss zu bringen. Jenen von ihm in die Wege geleiteten Prozess möchte er einmal gänzlich erfüllen können. Es ist ihm derweil gleich gewesen, ob seine Bemühungen utopischer Natur gewesen sind oder nicht. Immerhin sind es welche.

So ist es wahr für ihn, dass er etwas im Netzwerk des Internets vorgezeigt hat, für das es noch gar kein Publikum gegeben hat. Seine Art der Darstellung von Motiven ist durchweg speziell und eigen. Andere leisten wahrscheinlich etwas Besseres als er und haben dennoch praktisch keinen Nutzen davon, sich mit seinen Inhalten zu befassen. Wie soll es Schneider da erwarten wollen, dass er mit seiner Malerei oder seinem Schreiben einen gewissen Erfolg einfahren kann? – Das alles würde so nicht gegeben sein. So hat er seine Aufgabe abgeändert und sich ein anderes Ziel gesetzt.

Als ‚Art-Trash‘-Aktivist streitet er von nun an für eine Wahlfreiheit des Menschen. Auch innerhalb der medialen Welt der erscheinenden Dinge soll es eine solche geben können.

Da ist er dazu übergegangen, die Thematik der Suggestion anzusprechen und als Merkmal der Gegenwart anzuprangern. Dadurch hat er sich selbst gewiss etwas isoliert. Und doch sieht er einen Mehrwert darin, neben dem eigenen Werkschaffen auch jene Motivation darzustellen, welche zu diesem geführt hat. Derweil glaubt Schneider, dass es keine Klarheit darüber bei den Menschen gibt, wie sehr beeinflussbar sie sind. Diese tun allein nur so, als hielten sie allem stand. Immerzu verstricken die Menschen sich in Unwägbarkeiten und anderem Zeugs, wenn sie etwas von sich gegeben haben. Der Gebrauch von Schlagwörtern ist dabei zu einer Waffe gegen den eigentlichen Verstand eines Menschen geworden, welcher sich auf eine eigene Weise zu bedenken weiß. Am Ende dieser Entwicklung wird es keinen solchen mehr geben, pure Unvernunft soll das weltliche Merkmal davon sein.

Das ist zu erfahren. Unter solchen Umständen hat Schneider es schwer zu existieren. Er hat sich bisher auf einem Kunstmarkt weder mit eigenen Werken etablieren können, noch sonst etwas Geeignetes mit diesen erreicht. Man achtet ihn im privaten Rahmen als Bastler solcher Dinge, vernachlässigt seine diesbezüglichen Gedanken und Ideen, welche er zeitweise auch mitgeteilt hat, aber doch stark. Diese werden kaum von jemandem angehört. Wie aber sollen sie da ankommen und verstanden werden? – So ist es eine Wahrheit des Daseins von Schneider geworden, dass er Stufe für Stufe die ‚Treppe‘ nach unten nimmt. Sein gesellschaftlicher Abstieg ist praktisch dabei, von ihm weiter verwirklicht zu werden.

Derweil hat er für sich das Projekt ‚Beggar’s Art Service‘ als ein Medium auserkoren, wo er solche Beweggründe aufnotieren kann. Mit diesem macht er auf eine Vergänglichkeit der Werke und dem Wirken von Menschen aufmerksam, welche wirklich gegeben ist. Alle Ressourcen sind nach wie vor endlich. Jeder Krug wird irgendwann geleert sein.

Mit solchen Überlegungen findet Schneider zu seinem Gehalt. Dieser ist von seiner Art her ein kindlich-naiver geblieben. Die Sprachgestaltung, welche er zur Darstellung seiner Gedanken und Ideen anwendet, soll das vermitteln. Unterdessen erholt sich Schneider vom Werkschaffen. Er regeneriert regelrecht, wenn er da sitzt und das alles übersieht. Dabei kommt er in Gang und kann bald erneut etwas Gutes leisten. Nichts übermäßig Bedeutendes bräuchte das zu sein, was er da herstellen möchte. Es soll ein einfaches, aber gebrauchsfertiges Werk dazu ausreichen, ihm ein Vergnügen zu bereiten.

Nicht ohne dieser Sache ein gewisses Gewicht zu verleihen, möchte Schneider von seinem Dasein sprechen. So hat er auch seine anderen Dinge hergestellt. Diese sollen allesamt Zeugnisse der Bedingungen seines Daseins sein. Machen Sie sich bitte mit ihnen etwas vertraut, wenn sie das möchten.

Mit freundlichen Grüßen

Mathias Schneider

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