Eine eigentliche Unmöglichkeit

Eine eigentliche Unmöglichkeit besteht trotz aller gegebenen Freizügigkeit des Menschen. Wir könnten nicht wählen.

Weder unser Schicksal noch die Auswirkungen unserer Handlungen lassen sich durch uns selbst bestimmen.

Diesen Weg begehe ich. Er basiert auf einfachen Erkenntnissen.

Mit meiner Kunstsache könnte ich nicht bestehen, wenn ich meine Konstitution dabei vernachlässige. Diese Konditionierung meiner Innenwelt findet permanent statt. Ich würde sie nicht durchbrechen und auch nicht abändern können, ohne etwas dabei zu verlieren.

Das wird kein Nihilismus sein, wenn man der Gefahr für das eigene Leben ins Auge sieht.

Nein, dieses Dasein bedeutet mir etwas. Schmerz und Pein im Mindesten, manchmal aber auch Freude und Glück. Letztere sind keine Selbstverständlichkeit.

Gewisse Werke habe ich erstellt. Diese gefallen kaum, sind teilweise einfach, ja zu einfach hergestellt. Ob sie von Geschmack sind, wüsste ich nicht festzulegen. Manches setzt mich herab, anderes bringt mich in die Kritik. Was soll ich da bitteschön anderes tun wollen, als mich zu behaupten? – Was mir eingegeben ist, soll das Einzige sein, was ich wirklich mit Gedanken durchdringen kann.

Meine Kunstsache hat also eine existenzielle Bedeutung für mich. Mich gibt es alleine nur so. Ohne den Griffel in die Hand zu nehmen und etwas zu zeichnen, könnte ich nicht auskommen. Ich bedarf der Bilder.

Mich bremst dieses Arbeiten in meiner Entwicklung stark ab. Ich sehe darin manchen Grund für mich, um ernsthaft bleiben zu können.

In einer Welt, welche als Talfahrt von Permanenz aufzufassen ist, ist es gut, eine Bremse für sich gefunden zu haben. Das Bild, welches ich mir hier vorstelle, ist düster. Kaum etwas ermöglicht es da, sich in der Sonne zu aalen und alles als einen Genuss anzusehen. Nein, vielmehr ist diese Wahrheit bitter geblieben.

Müßiggang verzehrt alles Glück in einem Moment. Schneller kann kein Absturz sein, als es der freie Fall bedeutet. Und alles fällt herab. Da bin ich froh, mit etwas dagegenhalten zu können.

Ich setze mich trotz der drögen Art meiner Dinge mit diesen wieder und wieder auseinander. So kann das zu einer Arbeit werden. Mühsam sind die Wege eines Menschen, wenn er sich nicht verlieren möchte.

Real wird alleine nur der Niedergang des Lebens sein können. Diesen aufzufassen ist so. Ihn zu leugnen wird möglich sein durch Täuschung und Lüge. Und als solche sehe ich jenen Sachverhalt an, dass wir angeblich eine Wahl haben. Das Leben würde eine solche mit Sicherheit gerade nicht hergeben.

Haben wir uns erst einmal zur Willkür entschieden, dann verlieren wir auch bald allen Respekt. Da haben alle Dinge für uns plötzlich keine Bedeutung mehr. Nicht einmal den von uns verursachten Moment könnten wir da auffassen.

Das wird unser Dasein beschleunigen können. Alle Zeit wird sich das Rad weiterdrehen, und wir stehen davor und sind vexiert davon. Derweil vergessen wir uns, sind hypnotisiert von diesen verkehrten Ideen, welche so aufkommen können, und lassen alles zu, was man mit uns macht.

Ja, wir werden selbst zu Tätern, indem wir wählen. Die Auswirkung davon ist uns weder bekannt noch bewusst. Auch könnten wir die einmal getroffene Wahl nicht rückgängig machen. Da müssen wir dann die Suppe auslöffeln, welche wir eingebrockt haben. Und genau dorthin bringt uns jener Gedanke. Eine Freiheit ist alleine nur dort wirklich gegeben, wo diese auch besteht. Haben wir erst einmal ausgewählt und uns für etwas entschieden, geht diese verloren und ist weg. Eine Erneuerung davon könnte man sich weder beschaffen noch einkaufen gehen.

Unsere Entscheidungen nehmen uns die Freiheit. Könnten wir diesen freien Fall nicht abbremsen, so werden wir bald schon auf den Boden krachen. Alle Wege sind endlich. So wird auch dieser Höhenflug vorbeigehen. Wer jedoch nicht abbremsen können würde, was er an sich trägt und durchlebt, der würde dabei manches, wenn nicht gar alles verlieren.

Ist man erstmal derart beschleunigt unterwegs, gibt es da kein Halten mehr. Und dann gehen wir leer aus, ja werden selbst durch unsere Gedankenlosigkeit beschädigt.

 

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Die Variabilität des Kunstmarkts

Ein Maler könnte in der heutigen Zeit nicht anders Erfolg mit seinen Werken haben, als wenn er sich an den gerade gültigen Konsens unter den ‚Sammlern‘ von Kunst anbiedert. Dabei wird es immer eine Art sich an andere Menschen anzubiedern bleiben, wenn man diesen gerecht sein möchte. Da macht man keinen Hehl daraus, was man denkt. Ja, man steht gerade dazu. Man stellt es dar, was man fühlt und von der Welt begreift. Jedoch wird das alles allein nur angepasst, verdreht und folglich unwirklich sein.

Ein folgenschweres Problem mit dem Kunstmarkt sind die bereits bestehenden Werke. Diese müssen ja noch an den Mann gebracht werden. Da gibt es so vieles, was wertvoll und wichtig sein wird. Es ist praktisch kein Raum für etwas da, das noch nicht von den ‚führenden Medien‘ zur Kunst erklärt worden ist.

Das soll alles ja auch zusammenpassen. Nicht allein nur farblich, auch geschmacklich mögen es die Leute gerne in Grau gehalten. Das aber auf eine möglichst bunte Weise, denn der trübe Unterton davon sollte ja bitteschön nicht grundlos zu entdecken sein.

Regelmäßige Muster an den Wänden, wie sie vormals gerne gesehen worden sind, werden heutzutage gerne mit einer zeitlichen Strukturierung unserer Lebensweise ersetzt. Da strahlen die Wände reines Weiß ab. Diese Fähigkeit zur Strukturierung wird eingefordert und gilt manchem als gesundheitsfördernd. Den Minderwert davon, also die erfahrbare Verarmung dadurch wird gerne geleugnet. Man gewinnt ja an Klarheit dadurch hinzu.

Was aber soll diese sagenumwobene Klarheit ausmachen? Wer kann bitteschön eine solche von sich belegen? – Eine Existenz davon würde nicht zu belegen sein.

Klarheit zu fordern bedeutet manchem auch die Unklarheiten zu beseitigen. Da verleugnet er sie einfach. Was aber nicht gegeben sein könnte, wird zu Unrecht als Zustand von hoher Güte anerkannt. Welch ein Affentanz das doch ist, was die Leute da tun.

Jene Vorgabe, man solle sich klar ausdrücken, wird die Höhe davon sein. Wer kann es bitteschön begreifen, was das bedeuten soll? – Darum verhaspelt sich der bemühte Mensch. Derweil werden wir immerzu noch stärker von einer solchen Unwirklichkeit in Beschlag genommen. Diese herrscht bereits oftmals bei uns vor und macht uns auch etwas aus. Aber das Problem dahinter könnten wir nicht ausmachen, weil es zu diffus ist. So etwas würde sich nicht von sich aus ergeben.

Was aber soll der deutsche Kunstmarkt mit diesem düsteren Kapitel menschlicher Zustände gemein haben? – Nun, wir Menschen sind imstande dazu, alles das zu wiederholen, was jemals auf dieser Welt schiefgegangen ist. Wir kleiden uns heute zwar etwas anders, in den Klamotten stecken aber die gleichen Leute drinnen.

Übel aufstoßen möchte mir das Procedere dieser Gesellschaft, mittels dem die offensichtlich Fleißigen belohnt und die offenkundig Faulen enteignet werden. Durch Leistung in Form einer redlichen Bemühung kann niemand mehr einen Apfel oder Blumentopf gewinnen. Wie verkehrt das eigentlich sein wird, möchte keiner mehr bedenken. Da nimmt man es hin.

Hinnehmen möchte ich es jedoch nicht, dass solche Dinge von Wert ungeachtet bleiben. Darum zeige ich meine Werke vor. Wie die Leute darauf reagieren, das kann zuweilen schrecklich für mich sein. Gemeinplätze kommen dabei zuhauf vor. Manches floskelhafte Getöse macht sich zudem bemerkbar. Wer falsch ist, der findet es schön, was ich da tue. Wie das aber wahr sein kann, das zeigt er mir selbst kaum vernehmbar auf. Unverständlich sind selbst die klarsten Äußerungen davon geblieben, weil sie oftmals einer emotionalen Basis entbehrt haben.

Doch unsere Gesellschaft hält ihre Normen für akzeptiert. Es sind immer die anderen, welche diese bestätigt haben. Ich selbst kenne keinen, der das freimütig in dieser Weise durchgeführt hat. Darum halte ich sie für ein Gerücht. Als solches haben sie jedoch keinen Bestand.

Darum halte ich den Kunstmarkt und dessen Konsorten für variabel, ja beliebig. Das, was heutzutage unser Denken und Dasein bestimmt, ist eine Scheinwelt von absonderlicher Güte. Die Wahrheit ist anfechtbar, angreifbar zudem und auch gewiss verletzlich. Unantastbar ist allein nur die Würde des Menschen, der Schemen seines Menschenwertes. Dabei wirkt er irgendwie unberührt. Offensichtlich haben die Menschen Angst davor, dass man ihnen zu nahe kommt.

Doch unwirklicher kann kein Moment dieses Lebens sein als dieser. Wer da nicht berührt sein würde, der wird sich auch sonst wie ein Paria fühlen müssen.

Solcherart wird die Leugnung der wahren Menschennatur ausfallen. Das Muster durchdringt mit seiner Struktur den Habitus von uns allen. Es setzt der Gesellschaft die Narrenkappe auf. Alle sind eigentlich damit befasst, dieser Sache gerecht zu werden, obwohl es sie gar nicht geben würde.

Das ist so absurd. Es würde nicht gut sein, das zu glauben, dass eine Struktur von sich aus existiert. Wenn sie aber nicht existent sein würde, wie soll sie da zu einer berechtigten Bedingung für uns selbst werden können?

Da frönen die Sachverständigen ihren vorgefertigten Erkenntnissen. Das macht das alles sehr variabel. Wie diese aussehen und was sie besagen, lässt sich allein nur vermuten. Man könnte es nicht wissen. Es entbehrt jeglichem Nutzwert.

Das ist gemein von mir, schließlich kostet manche Pappe ja mehr als ein Haus oder ein Schiff. Darum will ich es besser dabei belassen. Na schön, dann macht halt weiter so und raunt und staunt über den Wert dieser Gegenstände. Vielleicht spornt das manchen ja zu noch mehr Leistung an. Wer möchte nicht einen teuren Druck mit Expertise eines Kunstsachverständigen sein eigen nennen können?

Ich persönlich halte es da mit der Kunst wie mit dem Essen. Was mir nicht geschmeckt hat, das möchte ich auch nicht zu mir nehmen.

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